2. März 2018

Presseaussendung: ECPAT Österreich & ZARA präsentieren – Analysen, Erkenntnisse und Maßnahmen zum Thema Missbrauch, Hass und Gewalt im Netz

701 Fälle von Online Hass und Hetze sowie Cyber Mobbing hat die Beratungsstelle
#GegenHassimNetz in den ersten sechs Monaten seit ihrem Start im September 2017 dokumentiert.

Wie eine eingehende Analyse der Hassinhalte zeigt, wurden am häufigsten Muslim*innen sowie Geflüchtete im Netz attackiert. Am Dritthäufigsten kamen herabwürdigende Inhalte vor, also Inhalte ohne anerkannten Diskriminierungsgrund, gefolgt von antisemitischen Inhalten sowie allgemein rassistischen Äußerungen.

Verstärkt aufgetreten sind zudem Hassinhalte gegen Frauen, wobei gerade hier mehrfach diskriminiert wurde. Frauen waren zusätzlich stark sexualisierter Gewalt ausgesetzt, wie etwa durch Aufforderungen oder Drohungen im Zusammenhang mit Nacktbildern.

Einige an uns gerichtete Anfragen haben gezeigt, dass gerade Jugendliche und junge Erwachsene, also die aktivsten User*innen von social media und Apps, durch solche Inhalte am meisten verunsichert und eingeschüchtert werden. Dazu kommen Angst und Schuldgefühle, die dazu beitragen, dass die Betroffenen solche Vorkommnisse lange verheimlichen“  so ZARA-Geschäftsführerin Claudia Schäfer.

Gerade für diese sensibelste Gruppe der User*innen ist es wichtig, vielfältige Angebote zu haben um alle zu erreichen und sie nicht mit der hässlichen Fratze des Netzes allein zu lassen.

Die anonyme Chatmöglichkeit mit der Beratungsstelle #GegenHassimNetz ein sehr niederschwelliges Angebot zur Kontaktaufnahme für junge Betroffene oder auch, wenn sie sich nur informieren wollen, wie sie am besten mit entsprechenden Inhalten umgehen sollen.

Kinder und Jugendliche als Akteur*innen im Netz müssen partizipativ einbezogen werden und ihre Kapazität, verantwortungsvolle digitale BürgerInnen zu werden, muss gestärkt werden“ fordert Astrid Winkler, Geschäftsführerin von ECPAT Österreich, zum Abschluss des Projektes „make-IT-safe 2.0 – Gesundheitsförderung in der außerschulischen Jugendarbeit: Mit Peer-Education zur Medienkompetenz und Gewaltprävention“. Im Laufe des zweijährigen Pilotprojektes wurden 27 Jugendliche zu digitalen Peer-Experts ausgebildet.

Studien belegen, dass der Peer2Peer-Ansatz gerade im Bereich Onlineverhalten sehr effektiv ist, weil Jugendliche sich bei Problemen eher an Gleichaltrige wenden.[1] Erfahrungen von Gewalt und Hass im Netz nehmen zu. Laut einer von Microsoft durchgeführten und im Jänner 2018 veröffentlichten Studie[2], wurden Jugendliche im Alter zwischen 13 und 17 Jahren aus insgesamt 23 Ländern zu ihren Erfahrungen Übergriffe im Internet betreffend gefragt: Rund 80 Prozent haben selbst eine negative Online-Erfahrung gemacht oder zumindest eine Attacke im persönlichen Umfeld miterlebt. Oft ist es Jugendlichen nicht bewusst, dass sie sich durch achtloses Teilen von Inhalten auch selbst strafbar machen. Über 40% der von der Beratungsstelle dokumentierten Hasspostings sind Verstöße gegen den Verhetzungsparagrafen oder Verstöße gegen das NS-Verbotsgesetz.

Diese Fakten zeigen auf, dass es einen großen Bedarf an Information, Unterstützung und Austausch im Umgang mit und im Kampf gegen Gewalt, Missbrauch und Hass im Internet gibt.

 

Downloads:

PDF Presseaussendung ZARA Ecpat

PDF ZARA Zwischenbilanz beratungsstelle #GHiN

PDF Folder Best#GHiN

Rückfragehinweise:

 

ECPAT Österreich

Astrid Winkler

Tel.: 01 – 293 16 66

Mobil: 06991 923 76 02

winkler@ecpat.at

www.ecpat.at

www.makeitsafe.at, www.peerbox.at

www.nicht-wegsehen.at

ZARA – Zivilcourage und Anti‐Rassismus‐Arbeit

Claudia Schäfer

Tel.: 01 ‐ 929 13 99 ‐ 18

Mobil: 0676 – 793 47 70

presse@zara.or.at

www.zara.or.at

 

 

[1] UNICEF (2012): Child Safety Online. Global challenges and strategies,  https://www.unicef-irc.org/publications/650-child-safety-online-global-challenges-and-strategies.html (1.3.2018)

[2] https://news.microsoft.com/de-at/microsoft-schafft-bewusstsein-fur-den-verantwortungsvollen-umgang-mit-digitalen-medien/ (1.3.2018)